KOLUMNE „SOFTWARE-UPDATE“: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und das ist auch gut so. Aber manchmal schadet es nicht, auch mal neugierig Neues auszuprobieren.
Heute gestehe ich Ihnen etwas: Ich bin ein großer Fan von freier Software! Wenn ich mich mit Kollegen, Freunden und Bekannten über ein freies Programm unterhalte, frage ich gerne nach oder informiere mich darüber. Wenn es für mich sinnvoll erscheint, probiere ich es aus und steige um. Ich habe inzwischen schon einige Wechsel vollzogen. Erst teste ich unverbindlich, ohne gleich alles umzuziehen. Wenn ich merke, dass es taugt, stelle ich um. In den meisten Fällen sind für mich die freien Alternativen von kommerzieller Software intuitiver und besser.
Außerdem weiß ich, dass hinter der Entwicklung meistens eine große Community steht. Das bedeutet: Bugs werden entdeckt oder Erweiterungen entwickelt. Und dann ist da noch die Sache mit meinen Daten. Ich weiß in vielen Fällen, dass die Daten nicht von den großen Playern der IT gesammelt werden, weil sie lokal auf meinem Rechner liegen. Nicht in einer Cloud, die der Hersteller jederzeit abdrehen kann. Ich habe die Hoheit über meine Daten. Wenn ich sie weitergeben möchte, dann kann ich das weiterhin. Und meistens ist das mindestens so unkompliziert, wie mit den Produkten der großen Player – manchmal sogar einfacher.
Dieser Text beispielsweise ist mit der Open-Source-Lösung LibreOffice entstanden. Denn sind wir mal ehrlich: Ich kann nicht über freie Software schreiben und dann den großen Player dafür nutzen. Das wäre inkonsequent. Aber wenn ich den Text zum Beispiel an meinen Vorgesetzten schicken würde und der würde – nehmen wir mal an – nur Microsoft Office nutzen – was sehr unwahrscheinlich ist, denn er ist ein großer Linux-Fan – könnte er es dennoch öffnen und bearbeiten. Ich kann die Datei sogar entsprechend abspeichern, sodass er damit keinerlei Probleme hätte.
Sind Sie schon genervt davon, wie offen ich bin und wie leicht ich mich in dem Dschungel der Software zurecht finde? Denn dann ist jetzt der geeignete Punkt zu sagen: ganz so ist es auch wieder nicht. Jede Umstellung einer Software hat für mich Herausforderungen. Funktioniert die Navigation? Habe ich die richtigen Termine übertragen? Und wie kann ich eigentlich den Text so gestalten wie ich es mir vorstelle? Es ist also nicht immer alles einfach. Es braucht Einarbeitung. Es braucht manchmal auch neues Wissen. Wir Menschen haben einstudierte Verhaltensmuster. Und dazu gehört es zum Beispiel, dass man morgens seinen Windows-Rechner oder Mac hochfährt oder den vorinstallierten Browser nutzt.
Verhaltensmuster sind nicht schädlich – ganz im Gegenteil. Sie verleihen uns Orientierung und Sicherheit in einer Welt, die oft von Unsicherheit geprägt ist. Gewohnheiten geben uns etwas „Einfaches“ und schützen uns auch. Manchmal braucht man davon eine Portion mehr und manchmal darf es ein bisschen weniger sein. So kann jeder in seinem Tempo entscheiden, wie viel Veränderung gerade gut tut. Und manchmal braucht es auch einen Anstoß von außen.
Freie Software im RRZE-Angebot
Gerade deshalb sind Angebote, die man ergreifen kann – oder auch nicht – sehr wichtig. Ein solches Angebot schafft jetzt das RRZE für alle Nutzenden. Mit dem Software-Quartett sollen die Nutzenden des RRZE, also Studierende und Beschäftigte der FAU dazu motiviert werden, ihre täglichen (Arbeits-) Prozesse zu überdenken. In dem bekannten Kartenspiel geht es darum, die gegnerischen Spieler mit einzelnen Stärken auszustechen. Das soll auch Open-Source-Software. Die perfekte Software für alle Belange gibt es in der Regel nicht. Aber einzelne Stärken bündeln sich zu einer guten Software für die persönlichen Belange – oder eben auch nicht. Eine Auswahl an solchen Stärken stellt das RRZE jetzt für einige Programme bereit. Selbstverständlich werden nur solche Open-Source-Lösungen vorgestellt, die das RRZE selbst in der Software-Verteilung hat. Das heißt, Beschäftigte können die Software direkt installieren und ausprobieren, wenn sie ihre Software aus der WinSV oder dem FAUmac Self Service beziehen.
Das Software-Quartett des RRZE wird immer am ersten Freitag im Monat veröffentlicht. Denn freitags hat man auf der Arbeit meist ein bisschen mehr Luft als an anderen Tagen und kann oder will sich auch mal mit solchen Themen beschäftigen.
Dafür hat sich das RRZE den Digital Independence Day (DI Day) des Chaos Computer Clubs (CCC), der größten europäischen Hackervereinigung, zum Vorbild genommen. Mit dem DI Day hat der CCC zusammen mit anderen Organisationen eine Aktion gestartet, bei der Leute immer am ersten Sonntag im Monat zum Wechsel auf freie Alternativen motiviert werden sollen. Damit wollen sie die digitale Unabhängigkeit der ganz normalen Leute fördern. Gleiches möchte nun das RRZE seinen Nutzenden für deren Arbeitsalltag bieten.
Neugierig? Dann legen Sie los! Und stöbern Sie in unserem Software-Quartett. Ich kann Sie nur ermutigen, einfach mal unverbindlich freie Software aus der Software-Verteilung auszuprobieren. Manchmal verliert man, aber meistens ist es doch eher ein Gewinn.
Wann haben Sie das letzte Mal freie Software ausprobiert?
Corinna Russow
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Text: Corinna Russow
