Die Stimme völlig ungeschminkt

Für einige Projekte braucht man eine gute Sprachaufnahme. Das ist in Büroräumen gar nicht so einfach. Wie das Multimediazentrum des Regionalen Rechenzentrums Erlangen Abhilfe schafft, erklärt FAU-Mitarbeiter Stefan Rieger im Interview.

In einem Raum steht eine Sprecherkabine, davor ein Schreibtisch an der eine Person sitzt.
Die Sprecherkabine kann von Mitarbeitenden und Einrichtungen der FAU genutzt werden (Foto: Jorge Leon Gonzales/RRZE)

Am Multimediazentrum gibt es eine Sprecherkabine. Wir hatten damit auch schon Berührungspunkte, wenn wir euren Podcast „Das Medienzentrum Blaues Haus“ anhören. Erkläre doch mal für die, die sich nicht viel darunter vorstellen können, was das ist und wofür man eine Sprecherkabine nutzen kann.

Stefan Rieger: Jeder Raum hat grundsätzlich seine eigene Akustik. Draußen in der Natur klingt es beim Sprechen ganz anders, als wenn man sich in einer Garage, in einem Saal oder in einem Schwimmbad aufhält. In jedem Raum klingt die Stimme anders. Das ist zum Beispiel für einen Film völlig in Ordnung. Da nennt man das O-Ton: Man nimmt draußen auf und hört dann, dass es draußen ist. Auch für ein Hörspiel ist das passend. Wenn ich möchte, dass es wie im Schwimmbad klingt, nehme ich es im Schwimmbad auf. Wenn man aber nur die Stimme und sonst nichts möchte, wenn man also für Aufnahmen wie beispielsweise einen Podcast oder einen Erklärfilm die Stimme völlig ungeschminkt ohne zusätzliche Geräuscheffekte und Reflexionen aufnehmen möchte, dann braucht man dafür einen sogenannten schalltoten Raum. Also einen Raum, wo es keinen Rückschall von den Wänden gibt. Alle glatten Flächen reflektieren den Schall – ähnlich wie Licht: ein Tisch, eine Wand, eine Tafel, glatter Boden usw. „spiegeln“ den Schall. Je leerer ein Raum ist, umso mehr wird der Schall reflektiert. Je mehr weiche Materialien im Raum sind, also Teppich, Vorhänge, Kissen, Sessel, Sofas – desto mehr wird der Schall verschluckt und damit „tot“. Das kennt man vielleicht aus dem Theater, da ist alles relativ gedämpft. Da gibt es viele Polstersitze und wenn Zuschauer drinsitzen, ist es nochmal gedämpfter, weil sich der Schall verfängt. Die Sprecherkabine hat nun den Sinn, dass man in einem von außen komplett abgeschirmtem Raum ist und innen auch nochmal diverse Schallabsorber hat, so dass es auch von den Wänden keinen Rückschall gibt. Dann nimmt das Mikrofon die reine Stimme auf, so wie sie aus dem Mund herauskommt. Veränderungen können dann nachträglich passieren, durch Bearbeitung. Das geht heutzutage sehr gut mit digitalen Mitteln.

Hast du ein Beispiel, das du selbst in dieser Sprecherkabine aufgenommen hast?

Wenn man zum Beispiel die 85-0 wählt, dann ist meine Stimme zu hören. Das ist hier in der Sprecherkabine aufgenommen. Und eben auch der ganze Podcast zum Medienzentrum „Blaues Haus“

Jetzt steht die Kabine bei euch im Blauen Haus. Was haben andere FAU-Mitglieder von der Sprecherkabine?

Vor kurzem hatte ich zum Beispiel einen ganzen Tag Aufnahmen mit einem Team vom Fortbildungszentrum Hochschullehre, das für die Virtuelle Hochschule Bayern (vhb) einen Lehrfilm dreht. Es wird ein animierter Film, der über die Tonspur gelegt wird. Dafür haben sie zuerst hier einen ganzen Tag lang mit mir ihre Texte aufgenommen. Sie standen den ganzen Tag in der Sprecherkabine und ich saß draußen am Rechner davor. Am Ende bekommen sie von mir die Tonaufnahme im Rohschnitt und die weitere Bearbeitung, den Feinschnitt, machen sie selbst. Nutzen können die Sprecherkabine im Grunde genommen alle Mitarbeitenden und jede Institution an der FAU.

 

„Wenn ich spreche, möchte ich mich nicht um die Aufnahme kümmern.“

Stehpult in einer schallabsorbierenden Sprecherkabine. Darauf liegt ein Text und ein Leselicht leuchtet.
Aufnahmen in der Sprecherkabine sind leicht möglich (Foto: Jorge Leon Gonzalez/RRZE)

Vor einer Sprecherkabine steht ein Schreibtisch mit einem Rechner. Davor sitzt ein Mann, der eine Sprachaufnahme bearbeitet.
Tonaufnahmen brauchen eine Nachbearbeitung (Foto: Jorge Leon Gonzalez/RRZE)

Wie ist denn eure Ausstattung für die Kabine?

Wir haben zwei Kondensator-Mikrofone an Stativen, dazwischen steht ein Lesepult und ein Stehtisch. Die Anschlusskabel gehen durch die Wand an einen Rechner, der vor der Kabine steht. Wenn sich jemand hier bei einer Aufnahme vor Ort wirklich nur auf das reine Sprechen konzentrieren will, dann sitzt von uns jemand draußen am Rechner und kümmert sich um die Aufnahme und die abschließende Mischung. Aber wir haben inzwischen auch ein sogenanntes Podcaster-Mikrofon angeschafft. Damit kann man sich mit ein, zwei Tastendrückern selbst aufnehmen. Die Aufnahme erfolgt auf eine SD-Speicherkarte. Diese bringt man selbst mit. Nach der Aufnahme nimmt man seine Speicherkarte wieder mit und bearbeitet die Datei dann am eigenen Rechner. Da muss keiner von uns dabei sein, und das Podcaster-Mikrofon hat eine qualitativ hochwertige Selbst-Aussteuerung. Ich weiß aus meiner eigenen Erfahrung: Wenn ich spreche, möchte ich mich nicht um die Aufnahme kümmern. Das ermöglicht das Podcaster-Mikrofon.

Sind eure Termine schon komplett ausgebucht?

Nein, da gibt es jetzt keine allzu umfangreiche Terminliste. Es geht im Vorfeld mehr darum, was die Interessierten brauchen und wie viele Mitarbeitenden von uns dafür benötigt werden. Wenn eine Aufnahme benötigt wird, wo ein Mensch hinter dem Bildschirm sitzt, ist der auch eine gewisse Zeit damit beschäftigt, davor und danach. Aber: Bei Bedarf einfach eine Anfrage stellen und dann kriegen wir einen Termin hin, das ist kein Problem.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Zur Person

Stefan Rieger hat Schauspiel studiert und ist seit vielen Jahren Dozent für Schlüsselqualifikationen in Sprechen und Auftreten am ZIWIS. Er war bis vor Kurzem am MMZ angestellt und hat dort die u. a. Sprecherkabine funktional eingerichtet.

Kontakt für Fragen und Terminanfragen zur Sprecherkabine

Multimediazentrum (MMZ), Ulrich-Schalk-Str. 3 a, 91056 Erlangen, Tel.: 09131 85-28898, E-Mail: rrze-mmz@fau.de

 


Das Gespräch führte Corinna Russow